Zu spät angefangen, zu wenig kommuniziert, den eigenen Betrieb falsch bewertet: Marcus Betz, Direktor Unternehmens- und Firmenkunden der Stadtsparkasse München, benennt die häufigsten Fehler bei Betriebsnachfolgen. Welche Wege zur Übergabe es gibt und warum eine realistische Bewertung die größte Hürde ist.

Herr Betz, woran liegt es aus Ihrer Erfahrung, dass so viele Unternehmen keinen Nachfolger finden?
Betz: Viele aus der Nachfolgergeneration sind nicht im heimischen Betrieb geblieben, sondern haben sich beruflich anders orientiert. Manche scheuen auch einfach den Aufwand, interessanterweise aus entgegengesetzten Gründen: Die einen, weil sie Angst vor dem unbekannten Berg haben, der als Unternehmer vor ihnen steht, und die anderen, weil sie sehr genau wissen, wie viel ihre Eltern arbeiten oder gearbeitet haben. Aber, und das ist ein großes Aber, es hat auch damit zu tun, dass viele Unternehmerinnen und Unternehmer zu spät anfangen, sich um ihre Nachfolge zu kümmern.
Das klingt nach dem Patriarchen, dem es schwerfällt, loszulassen. Mit wem sollte mehr kommuniziert werden, wenn man eine Nachfolgeregelung finden will?
Eine gute Nachfolgeregelung kann viele Gesichter haben. Dafür gibt es aber keine Patentlösung. Jede Nachfolge muss maßgeschneidert zum Unternehmen und zur Unternehmerpersönlichkeit passen. Das kann familienintern sein, durch Beteiligung des eigenen Managements oder etwa durch die Beteiligung eines strategischen Investors. Es führen viele Wege zur Nachfolge und sie lassen sich auch kombinieren.
Neben den betriebswirtschaftlichen Beratern der Handwerkskammer spielen die Hausbanken eine wichtige Rolle. Was empfehlen Sie?
Mein Appell an Unternehmerinnen und Unternehmer: Gehen Sie zu Ihrer Hausbank und lassen Sie sich auch dort beraten. Bei der Stadtsparkasse München beispielsweise haben wir einen großen Erfahrungsschatz bei der Begleitung von Unternehmensnachfolgen. Da besteht eine ganz andere Professionalität, als wenn man das selbst und zum ersten Mal macht.
Was alles sollte bei der Beratung besprochen werden?
Es sollte grundlegend geprüft werden, ob sich familienintern oder -extern eine Lösung findet. Innerhalb von Familien können Aspekte wie vorweggenommene Erbfolge oder Schenkungen eine Rolle spielen. Bei externen Lösungen kann man danach unterscheiden, ob man an eine Privatperson, etwa einen leitenden Angestellten aus dem Unternehmen, an einen privaten Käufer von außerhalb oder an ein Unternehmen verkauft, etwa an eine Beteiligungsgesellschaft oder einen Mittbewerber. Auch das Einbringen in eine Stiftung oder die Verpachtung ist möglich.
Was sind die Stolpersteine beim Verkauf?
Das beginnt mit etwas ganz Essenziellem, nämlich der Frage, was mein Betrieb wirklich wert ist. Das stellt für viele eine psychologische Hürde dar, weil dann die Karten auf dem Tisch kommen. Der Wert muss realistisch eingeschätzt werden. Denn der Verkauf gelingt nur, wenn Verkäufer- und Käuferpreisvorstellungen zusammenkommen. Man sollte auch keine übertriebene Angst vor Beteiligungsgesellschaften haben. Neben Kapital bringen sie Erfahrung, Netzwerk und Flexibilität mit. Das kann für den Fortbestand des Unternehmens wichtig sein. Wichtig ist aus unternehmerischer Verantwortung: Der Übergang eines Betriebs ist keine Aufgabe, sondern er kann ein strategischer Neuanfang sein – für Wachstum und Innovation, die man vielleicht selbst nicht mehr leisten kann oder will, und für die nächste Generation.
Für eine individuelle Beratung ist Marcus Betz per Mail willkommen@sskm.de zu erreichen.